Historisch bedeutend und Gemeinschaft stiftend

LWL zeichnet Attendorner Bieketurm für gelungene Sanierung als Denkmal des Monats aus

Neun Monate nach seiner feierlichen Wiedereröffnung würdigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) den Bieketurm in Attendorn (Kreis Olpe) als Denkmal des Monats Februar. „Der Turm ist nicht nur historisch bedeutend“, erklärt LWL-Denkmalpflegerin Dr. Frauke Berghorn, „er zeigt auch, wie Denkmäler Gemeinschaft stiften und neue Traditionen begründen können.“

Das Bruchsteinmauerwerk nach Entfernung des Efeus. Foto: LWL/Funke
Das Bruchsteinmauerwerk nach Entfernung des Efeus. Foto: LWL/Funke

Seit 1985 ist der Turm in Besitz der Attendorner Schützengesellschaft und wurde von ihren Mitgliedern bis 1993 zum Zeughaus und Museum umgestaltet. Erneuter Handlungsbedarf zeigte sich im Jahr 2019: „Der mit den Jahren übermäßig gewachsene Efeu gab dem Turm zwar ein märchenhaftes Aussehen. Allerdings schädigten die Wurzeln, die teils bis zur Mitte des Turmes reichten, das Bruchsteinmauerwerk erheblich“, so Berghorn. Mit Beratung der LWL-Denkmalpflege und unter der fachlichen Anleitung eines Steinrestaurators halfen die Mitglieder der Schützengesellschaft, den Efeu fachgerecht zu entfernen.

Erst jetzt zeigte sich der Ernst der Lage: „Geologische und restauratorische Untersuchungen bestätigten, dass eine umfassende Neuverfugung notwendig war, um das Mauerwerk dauerhaft zu erhalten“, erklärt Berghorn die Schäden. Teile der Mauersteine mussten ausgetauscht werden, und das Kegeldach erhielt eine neue Schiefereindeckung. Im April 2020 wurde der Bieketurm feierlich wiedereröffnet. Im Sommer folgte zum Abschluss die Sanierung des angrenzenden Mauerfragments und der Treppenanlage. Gefördert wurde die Maßnahme durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die NRW-Stiftung, das Denkmalförderprogramm des Landes NRW und zahlreiche Privatspenden.

„Heute zeigt sich der einstige Wehrturm wieder in seiner repräsentativen, steinernen Massivität und stellt ein beeindruckendes Zeugnis mittelalterlicher Baukunst dar“, sagt Berghorn, „gleichzeitig ist er ein gutes Beispiel, wie Denkmäler und das gemeinsame Engagement für ihren Erhalt die Identifikation mit der eigenen Stadt und Region nachhaltig stärken.“

Hintergrund
Die Entfernung des Efeus und die Sanierung des Mauerwerks brachte die wechselvolle Geschichte des Bieketurms wieder zum Vorschein. Neben dem Pulverturm und verschiedenen Mauerresten entstand er im 14. Jahrhundert als Teil der Stadtmauer Attendorns. Kleine Schießscharten erinnern daran, dass er einst ein Wehrturm war. Die großen Schleusentore im Erdgeschoss zeigen noch heute, welchen Weg das Wasser aus dem benachbarten Feuerteich nehmen konnte. Bei Bränden innerhalb der Stadtmauer konnte das Wasser zum Löschen und bei feindlichen Angriffen zum Auffüllen der Gräben vor der Stadtmauer genutzt werden.

Fotos: LWL/Stadt Attendorn